Gerlinde & Ladipo

Unsere Traumpaare

30 Jahre Warten auf die große Liebe

Es war die Häfler Traumhochzeit des Jahres 2013: Die Stadt- und Kirchengemeinderätin Gerlinde Ames und der Chemieingenieur Ladipo Oladipupo Ajiboye gaben sich im Rathaus der Stadt das Ja-Wort! Das Paar hatte sich in den 70er Jahren aus den Augen verloren und sich nach 30 Jahren wieder gefunden.

Die Liebesgeschichte von Gerlinde Ames und Ladipo Oladipupo Ajiboye erscheint wie ein Märchen. Mit 23 Jahren, im Winter 1972, trifft Gerlinde Ames in einer Leutkircher Kneipe auf die Liebe ihres Lebens. Sie weiß sofort: Er ist es! Sie nimmt all ihren Mut zusammen und spricht den jungen Fremden an.

Dieser Fremde ist Ladipo Oladipupo Ajiboye. Er besucht die Chemiefachschule in Isny und wird nach seinem Abschluss in England promovieren. Eigentlich der perfekte Schwiegersohn. Doch ein Manko gibt es in den Augen der konservativen Gesellschaft der 70er Jahre: Ladipo ist Afrikaner! Und die Verbindung zwischen einem Schwabenmädle und einem Schwarzafrikaner ist zur damaligen Zeit undenkbar. Beide Eltern stellen sich gegen eine Beziehung.

Aus Rücksicht gegenüber ihren Eltern trennt sich Gerlinde Ames von ihrem Traummann.

Ich war damals einfach noch nicht selbstbewusst genug. Nie hätte ich mich mit meinen Eltern überwerfen können!

                                                          Traumpaar: Gerlinde & Ladipo          Traumpaar: Gerlinde & Ladipo

Die Wege der zwei Liebenden trennen sich also 1979 nach sieben Jahren Beziehung. Schicksalsschlag auf Schicksalsschlag folgen: Erst heiratet Gerlinde einen Anderen. „Die Hochzeit war eigentlich mehr eine Flucht, um die innere Leere zu füllen“, gesteht sie. Dann machen sich gesundheitliche Probleme bemerkbar. Im Winter 1982 folgt die Diagnose: Multiple Sklerose. Klinik- und Reha-Aufenthalte gehören bald zu ihrem Alltag. Bewegen kann sie sich nur noch mit Hilfe eines Rollstuhls. Schließlich bringt eine ungeplante Schwangerschaft ihr Leben noch weiter durcheinander. Trotz Abraten der Ärzte bringt sie im Dezember 1984 eine gesunde Tochter zur Welt. Zum Glück! Denn Jacqueline wird Jahrzehnte später einen entscheidenden Teil zur Wiedervereinigung von Ladipo und Gerlinde beitragen.

Längst von ihrem ersten Ehemann getrennt, kann Gerlinde all die Jahre ihren Ladipo einfach nicht vergessen. Jacqueline kennt die jahrzehntelange Liebes- und Leidensgeschichte ihrer Mutter nur allzu gut – und entschließt sich, ihr zu helfen: „Mama, ich suche ihn“, verspricht sie ihr im Herbst 2011. Gerlinde kann jedoch nicht so recht an solch ein Glück glauben: „Das war damals so abstrakt für mich. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie ihn wirklich findet!“ Doch es klappt! Jacqueline macht über Facebook Ladipos in Kanada lebenden Sohn ausfindig. Dieser stellt dann einen direkten Kontakt her.

Als er anrief war es wunderschön!Ich hatte Schmetterlinge im Bauch! Wunderschön – und das ist es immer noch!

Dann geht alles sehr schnell: An Weihnachten 2011 findet nach Jahrzehnten der Trennung das erste Treffen statt. Es stellt sich heraus, dass auch Ladipo bereits seit 10 Jahren seine Gerlinde sucht. Ladipo blickt zurück: „Ich war aufgrund meiner Arbeit öfters in Deutschland. Immer wenn ich meine Freunde in München besuchte, sprachen wir von Gerlinde. Wir haben sogar im Telefonbuch nach ihrem Namen gesucht…“ Jedoch vergeblich, denn dieser hatte sich ja aufgrund ihrer ersten Heirat geändert.
Beim Wiedersehen nach über 30 Jahren sind die Gefühle aber sofort wieder da. „Wir hatten beide das Gefühl, dass wir endlich angekommen sind.“ Zumindest seelisch. Denn Ladipo hat nach wie vor ein Haus in Nigeria und auch seine Eltern leben noch dort. Seine Kinder aus erster Ehe wohnen in Kanada. Gerlinde in Friedrichshafen. Seitdem pendelt er zwischen Afrika, Kanada und Deutschland. Die zwei Liebenden sehen sich alle zwei Monate für ein paar Wochen. Beiden ist schon früh klar, dass es nicht einfach wird.
Seit Mai 2013 sind sie nun verheiratet. Trotz des ungewöhnlichen Ehelebens sind beide einfach nur froh, dass sie sich wieder gefunden haben. „Es ist wirklich schön. Wir genießen die Zeit zusammen.“ Eigentlich war geplant, dass Gerlinde auch öfters nach Nigeria reist, um Ladipo zu besuchen. Aufgrund der schwierigen politischen Situation in Nigeria und vieler Anschläge ist es derzeit aber zu gefährlich. Ladipo hat zu viel Angst, dass seiner Gerlinde etwas passieren könnte: „Wir warten, bis die Präsidentschaftswahl Ende Mai 2015 vorbei ist. Dann wird hoffentlich alles wieder ruhiger.“
Gerlinde findet das sehr schade. Nicht nur, weil sie dadurch die Chance verpasst, ihren Mann öfters zu sehen, sondern auch weil sie Afrika bereits kennen und lieben gelernt hat. „Wenn ich jünger und gesund wäre, würde ich sofort mit nach Nigeria ziehen. An Ostern 2013 war ich zum ersten Mal dort und mir hat es so gut gefallen! Die Menschen sind so freundlich und offen. Und auch das Klima hat mir gut getan.“
Gut getan ist wohl leicht untertrieben. Bedenkt man ihre Geschichte, ist die Hochzeit von Gerlinde und Ladipo ja fast ein kleines Wunder. Aber es wird noch wunderbarer: Gerlindes Gesundheitszustand hat sich seit ihrem ersten Treffen stetig verbessert! Hat sie ihn beim ersten Wiedersehen noch im Rollstuhl vom Bahnhof abgeholt, kann sie, als sie ihn an Ostern 2013 in Afrika besucht, das erste Mal ohne Gehhilfe laufen! Und seitdem hat sich ihre gesundheitliche Lage immer weiter zum Positiven entwickelt. An ihrer Hochzeit hat sie die ganze Nacht durch getanzt und heute nimmt sie den Rollator nur noch zum Einkaufen. „Es geht stetig bergauf!“ freuen sich beide.
Wie sie ihr gemeinsames Eheleben in einem Satz beschreiben würden? „Jedenfalls kein übliches Eheleben“, lacht Gerlinde, „aber wir wussten das ja vorher.“

Mir ist einfach wichtig, dass wir uns gefunden haben und wieder zusammen sind. Wir kriegen das alles hin. Ich bin sehr glücklich!